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Indonesien - Exotisches Inselreich am Äquator

Ein Reisebericht von Franz Aßhauer

Indonesien - Exotisches Inselreich am Äquator Endlich - nach mehr als siebzehn Stunden Flug und einigen Zwischenstops - landet der "Jumbo" der GARUDA INDONESIA auf indonesischem Boden. Der lange Flug durch die Nacht und den Tag haben müde gemacht, und ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine Dusche und dann das Bett im Hotel. Erst einmal schlafen. Am nächsten Morgen - ausgeschlafen - sieht alles schon ganz anders aus. Vor mir liegt eine dreißigtägige Reise durch ein faszinierendes Inselreich.

Der größte Inselstaat der Welt


Der Indonesische Archipel - der größte Inselkomplex der Erde - erstreckt sich beiderseits des Äquators zwischen dem Indischen Ozean, dem asiatischen Kontinent und Australien. Damit ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Er setzt sich aus verschiedenen Inselgruppen zusammen. Die Großen Sunda-Inseln bestehen aus Borneo, Sumatra, Java und Sulawesi, die Kleinen Sunda-Inseln aus Bali, Lombok, Sumbawa, Flores, Sumba und Timor, dann folgen die Molukken und schließlich Irian Jaya, der Westteil Neuguineas, der erst im Jahre 1969 endgültig Indonesien eingegliedert wurde. Von den mehr als 13 600 Inseln und Inselchen sind etwa 3000 bewohnt. Jede der Inseln ist geprägt durch die unterschiedliche Oberflächenstruktur, das Klima und natürlich durch die Menschen, die das Landschaftsbild mitgestalteten. Über dreihundert Vulkane, von denen 128 noch aktiv und daher als besonders ausbruchgefährdet gelten, bestimmen oftmals die Landschaft. Sie sind Segen und Fluch zugleich. Ihre unberechenbare Tätigkeit ist einerseits eine ständige Bedrohung für die Menschen, andererseits reichert ihre mineralhaltige Asche - ein natürlicher Dünger - den Boden mit wichtigen Nährstoffen an. Diese vulkanischen Ablagerungen bieten günstige Voraussetzungen für den Ackerbau. So konnten sich erst hochstehende Kulturen auf Java und Bali, Sumatra und Sulawesi entwickeln.

Das tropische Klima


Das tropische Klima Indonesiens ist von den Monsunwinden bestimmt. Etwa von Mai bis Oktober wehen sie aus südlichen Richtungen und sind dann etwas kühler und trockener als die nördlichen und nordwestlichen Winde von November bis März, die sich über den warmen Meeresgebieten des Äquators mit Feuchtigkeit angereichert haben. Besonders vor den über 3000 Meter hohen Bergketten auf Sumatra, Java und Bali regnen sich diese feuchten Winde mit ihren Wolkenmassen ab. Im Binnenland der größeren Inseln, in höheren Lagen und auf den Kleinen Sunda-Inseln östlich von Java gibt es auch trockenere Gebiete mit weniger Regen und subtropischer Vegetation.

Noch bis vor zwei Jahrhunderten bedeckten artenreiche tropische Regenwälder fast alle Inseln des Indonesischen Archipels. Durch die Eingriffe des Menschen hat sich das Bild seither überall stark verändert. Aggressive Forstwirtschaft und Brandrodung zur Gewinnung von Ackerland haben dieses "Paradies" teilweise zerstört. Dennoch, auch heute zeichnet sich die Vegetation Indonesiens durch eine besondere Artenvielfalt aus. Die Inseln gehören zu den botanisch reichsten Ländern der Erde. Es gibt 40 000 Pflanzenarten. Etwa 10 % aller weltweit registrierten Pflanzen wachsen hier.

Die Bevölkerung


Dieser Indonesische Archipel ist heute die Heimat von ca. 190 Millionen Menschen mit wachsender Bevölkerungszahl. 85% der Indonesier bekennen sich zum Islam. Damit ist das Land der bevölkerungsreichste aller moslemischen Staaten.

Trotz dieser überwältigenden Glaubenseinheit ist Indonesien ethnisch eines der kompliziertesten Gebiete der Erde. So abwechslungsreich und vielfältig wie die Landschaft sind nämlich die unterschiedlichen Volksgruppen. Aufgrund dieser ethnischen Vielfalt werden in Indonesien über 650 Sprachen gesprochen. Für den ersten Präsidenten der Republik, Sukarno, war es anfangs nicht leicht, aus diesem, von so vielen Volksgruppen bewohnten Gebiet, eine politische Einheit zu bilden. Mit der Nationalsprache "Bahasa Indonesia", die der Sprache Malaysias stark ähnelt, schuf er das wichtigste Bindeglied zwischen den zahlreichen unterschiedlichen Kulturen. Außerdem trug auch der Islam, dem damals mehr als 80 % der Bevölkerung angehörten, wesentlich zum nationalen Einheitsgedanken bei. Heute, fünfundfünfzig Jahre nach der Staatsgründung am 17. August 1945, ist Indonesien mit 190 Millionen Einwohnern und einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 2,2 % der fünftgrößte Staat der Erde.

In der neueren Zeit strömten Tausende von Chinesen in den Archipel. Durch ihren Fleiß, ihre Zähigkeit und ihr Handelstalent verschafften sie sich schon bald überall Spitzenpositionen. Heute kontrollieren rund vier Millionen Chinesen 70 % der Wirtschaft Indonesiens.

Islamisierung und Europäisierung seit der holländischen Kolonialzeit haben zwar das alte Völkerbild beeinträchtigt, trotzdem faszinieren den Fremden immer wieder die geheimnisvolle Hintergründigkeit und die rätselhafte Lebensvielfalt der Menschen dieser exotischen Inselwelt. Für sie sind auch heute noch Berge und Flüsse, Steine und Bäume, Himmel und Luft von Geistern beseelt.

Die Urkräfte der Natur haben den Glauben der Menschen ihrer elementaren Macht unterworfen. Selbst die Hochreligionen, die sich hier ausbreiteten - der Hinduismus, der Buddhismus und sogar der Islam und das Christentum - konnten die tiefe Prägung des alten Geister- und Dämonenglaubens nicht überwinden und mussten sie in ihre Lehren einbeziehen. Der alte, tiefverwurzelte Animismus ist noch immer im Glauben, Denken, Handeln, Opfern und Beten der Menschen lebendig geblieben, gleichgültig ob Buddha, Schiwa, Christus oder Mohammed das Heil durch ihre Priester verkünden.

Die Geschichte


Durch indische Seefahrer und Kaufleute kamen vor zweitausend Jahren die ersten indischen Kulturelemente an die Küsten der großen Inseln. Unterstützt durch den Einfluss indischer Gelehrter entstanden schon sehr früh zahlreiche Fürstentümer. Durch den wachsenden Seeverkehr und die sich daraus entwickelnden Handelsbeziehungen kam es auch zu religiösen Einflüssen.

Zunächst konnte sich der Hinduismus, dann auch vom 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr. der Buddhismus auf Sumatra und Java ausbreiten. Im 15. Jahrhundert begann die Islamisierung auf diesen beiden Inseln. Im Jahre 1498 hatte Vasco da Gama den Seeweg um Afrika gefunden, und schon bald tauchten portugiesische Schiffe an den Küsten und Handelsplätzen des Archipels auf. Die Holländer folgten 1596 den Portugiesen und verdrängten diese von den lukrativen Gewürzinseln. Im Jahre 1610 gründeten Holländer den Handelshafen Batavia, die heutige Hauptstadt Jakarta. Holländische Kaufleute hatten zuvor 1602 die "Vereinigte Ostindische Compagnie" (VOC) gegründet. Überall, wo sich Fürsten und Bevölkerung gegen die Fremdherrschaft wehrten, griff die VOC mit rücksichtsloser Härte durch. Einhundertachtzig Jahre später, man schrieb das Jahr 1782, löste sich die "Vereinigte Ostindische Compagnie" auf. Misswirtschaft und Korruption hatten sie geschwächt, zudem verlor sie im Krieg gegen die Engländer die meisten ihrer Schiffe.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm die niederländische Krone die überseeischen Besitzungen.

Auch der 2. Weltkrieg ging nicht spurlos an Indonesien vorbei. Im März 1942 kapitulierte Holland bedingungslos vor den Japanern, die den gesamten Archipel besetzten.

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